Baum

»By creating a partial, temporary outdoor studio for each tree, Lee’s ‘portraits’ of trees play with ideas of scale and perception while referencing traditional painting and the history of photography.« – Yossi Milo Gallery

Myoung Ho Lee fotografiert Bäume. Genauer gesagt, einzelne Bäume, die er zusätzlich vereinzelt, indem er sie vor einen einfachen, rechteckigen Hintergrund stellt. Porträtfotografie für Bäume sozusagen, nur nicht im Studio, sondern da, wo der Baum wächst. Das sind ganz verschiedene Landschaften, in die Lee den professionellen Background des Berufsfotografen stellt, die weiße Leinwand. Im Hintergrund wiederum bleibt die Landschaft, die einen Baum weniger zu haben scheint, ein viereckiges Loch klafft in ihr.

So einfach die Idee scheint, so komplex wirken die entstandenen Bilder:
Die Landschaft hat ein Loch, gleichzeitig wird ein Teil von ihr versteckt. Der porträtierte Baum wird aus seiner Umgebung herausgelöst und mit Leinwand neu hineingestellt, getrennt von ihr und wiedervereint. Natürlich gewachsen und zum Gemälde geworden. Er wirkt größer als er ist, die Perspektive wackelt, Der Horizont wird des Fluchtpunkts beraubt, Lee setzt ihn neu.

Myoung Ho Lee, geboren 1975 in Südkorea, lebt und arbeitet zur Zeit in Seoul. Er hat zahlreiche Preise gewonnen. Die Serie »Tree« fotografierte er mit einer Großformatkamera. Die großen Leinwände installierte er mit Hilfe von Kränen und mit einem Team von Mitarbeitern. Teilweise im Bild sichtbare Seile oder Streben des Leinwandaufbaus wurden nachträglich wegretuschiert.

Kickstarter für schwebende Bonsais

»Air Bonsai is a floating star. How would you like to plant your country's very own bonsai and make a wish on that "little star"?« – Hoshinchu auf Kickstarter

Wieder mal ein Kickstarter-Projekt, das schon lange vorm Finanzierungstermin weit übers Ziel hinaus geschossen ist: Das japanische Atelier Hoshinchu von der Insel Kyushu begeistert (nicht nur) seine Unterstützer mit dem »Air Bonsai«, ein Bonsai-Baum, der über einer Basis schwebt und rotiert.

Das Do-it-yourself-Kit besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten:
Die »Energy Base« besteht aus Porzellan und hat eine verspiegelte Oberfläche. Sie enthält einen strombetriebenden Magneten und einen Drehmechanismus.
Das »Little Star« genannte Medium, in das die Bonsai-Pflanze gesetzt wird, ist ein moosbedeckter Schaumstoffball. In ein vorgebohrtes Loch wird Erde gefüllt und eine kleine Auswahl regionaler, selbstgesammelter Zweige und Triebe gepflanzt. Die Erde wird solange im Loch verteilt und festgedrückt und die Triebe werden solange vorsichtig beschnitten, bis der Little Star aufrecht über seiner Basis rotiert.

Beide Komponenten gibt es in verschiedenen Ausführungen, die Energy Base von serienproduziert bis aufwändigst handgearbeitet, den Little Star gibt es auch als ausgehöhlten Lavastein, in den gepflanzt wird. Obwohl der Air Bonsai als Bausatz zum Selbst-Bepflanzen mit regionalen Pflanzen gedacht ist, kann man auch gleich einen Bonsai-Baum dazukaufen, je älter gewachsen, desto luxuriöser im Preis.

Alle Ausführungen des Air Bonsai wirken sehr ruhig und zart und harmonieren stimmig mit der meditativen Ästhetik von Bonsai-Bäumen. Fast nie zu sehen ist auf den Bildern allerdings das Stromkabel, das natürlich ein Wermutstropfen ist und die Little Stars ein bisschen wieder auf den Erdboden zurückholt.

Blumen im Weltall

»You know, I think if we’re going to Mars, and we were growing stuff, we would be responsible for deciding when the stuff needed water. Kind of like in my backyard, I look at it and say ‘Oh, maybe I should water the grass today.’ I think this is how this should be handled..« – Scott Kelly, Astronaut

Die gerade auf der Raumstation ISS erblühten Zinnien sind zwar die ersten Weltraum-Blumen, aber natürlich nicht die ersten Pflanzen im All: Schon Anfang der 80er Jahre experimentierte die Sowjetunion erstmals mit der Aufzucht von Pflanzen auf Raumstationen. Auch das Veggie-Programm der Nasa erforscht, wie Pflanzen in Mikroschwerkraft gedeihen, nicht zuletzt, weil selbst angebautes Gemüse die Verpflegung auf Langzeitmissionen mit frischen Lebensmitteln bereichern würde. 

Die Pflanzen entwickeln sich unter rotem, blauem und grünem LED-Licht. Optimale Luftzirkulation in der Gewächskammer gewährleistet, dass die Pflanzen nicht an ihren eigenen Emissionen ersticken. Das Veggie-Bewässerungssystem transportiert das benötigte Wasser über Dochte zu den Wurzeln, sodass diese auch in der Schwerelosigkeit immer gleichmäßig viel Wasser und Sauerstoff bekommen.

Am 16. November 2015 wurde das Veggie-System mit den Zinniensamen bestückt und aktiviert. Anhand ihres Gedeihens sollten neue Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie Pflanzen in annähernder Schwerelosigkeit wachsen.

Ende Dezember bemerkte Astronaut Scott Kelly, dass die Pflanzen nicht gut aussahen, trotz streng beachteter Pflegepläne des Veggie-Systems. Erst als Scott, ganz Gärtner, nach Gefühl bewässerte, erholten sich die Zinnien. Am 12. Januar blühten die ersten Knospen auf.

Zinnien sind als gute Nektarspender bekannt und sehr attraktiv für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge – wie diese sich wohl in der Schwerelosigkeit verhalten würden?

Plantui – der schlaue, kleine Garten

»everyone deserves a garden« – Plantui

Eigenen Salat in 4 Wochen? Frische Kräuter ohne Garten und Stiefmütterchen mitten im Winter? Mit Plantui geht das, sogar ohne grünen Daumen. Das ganze lässt ein bisschen an »Quadratisch. Praktisch. Gut.« denken, nur dass das Design eher rund ist. Wir sind hier also wirklich weit weg vom Gärtnern, vom Boden und von den Elementen.

Aber irgendwie ist Plantui toll und macht sich gut, auch in der kleinsten Küche. Das kompakte, schicke Design des Plantui 6 Smart Garden hat sogar den reddot award 2015 gewonnen.

Das System aus Hydrokultur, höhenverstellbarer, also mitwachsender Beleuchtung mit photosynthetisch aktivem Licht sowie die mit perfekt abgestimmten Nährstoffen angereicherten Samenkapseln funktioniert bestens. Es gibt Kräuter, Salate und essbare Blumen, eingeteilt in schnell (3-5 Wochen), mittelschnell (5-8 Wochen) und langsam (8-12 Wochen) wachsend, damit optimal kombiniert werden kann.

Erhältlich sind zwei Größen (Plantui 6 Smart Garden und Plantui 3 Smart Garden), in verschiedenen Farben, alle nicht ganz billig. Aber bevor das leise muffelnde Murmeln über "Retortensalat" lauter werden kann, besänfigt uns die dritte Variante des Systems wieder: der Plantui Moomin Garden. Spätestens jetzt wollen wir auch einen.

Flower House Detroit

»What could be a better day than all my florist friends, new and old, to fill a beautifully patinaed old house with 4,000 stems of flowers and foliage? We slept very little, ate lots of pizza, and made some remarkable floral displays.« – Lisa Waud

Im November 2014 ersteigerte die Floristin Lisa Waud für 250 Dollar ein heruntergekommenes, lange verlassenes Haus in Detroit, um dort einen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Sie lud Floristen aus der Umgebung (Michigan, Ohio, New York, Canada) ein, das Haus mit ihr in eine vorübergehende Kunstinstallation zu verwandeln.

Nach einem Jahr Planungsarbeiten und drei Tagen der Umsetzung (und vermutlich Nächten) wurde das verfallene und verwahrloste Haus mit über 36.000 in den USA gewachsenen Blumen und Pflanzen in ein floristisches Gesamtkunstwerk verwandelt.

Das Flower House ist nicht nur Kunstprojekt, sondern würdigt gleichzeitig die Nachhaltigkeit und Verantwortung von Gärtnereien, die ihre Schnittblumen und Pflanzen nicht importieren, sondern selbst anbauen. Die verarbeiteten Blumen im Wert von ca. 150.000 Dollar wurden dem Projekt von den Gärtnereien gespendet.

Nachdem das Flower House im November 2015 ein Wochenende lang besichtigt werden konnte, wird es nun abgerissen und das Gelände von Lisa Waud saisonal zum Anbau von Dahlien und Pfingstrosen für ihr Geschäft benutzt.

GoPro Awards: Gardening with Grandpa

»Andrew spends the day with his 83 year old grandfather as he tends to his vegetable garden in the south of Italy.« – Beschreibung des Film für die GoPro Awards

GoPro mal anders, aber richtig gut: Andrew Carrino hat seinen 83-jährigen Großvater bei der Gartenarbeit gefilmt. Obwohl die Musik im Hintergrund ziemlich bouncy daherkommt, geht es dabei doch eher gemächlich zu, trotz Motorhacke. Es ist ein sonniger Tag und es wird gepflanzt, gegossen, geerntet und zwischendurch kommt die Großmutter mit einem Obstteller durch den Fliegenvorhang in den Garten.

Die aus der Zeit gefallene Entspanntheit kombiniert mit sehr schönen Perspektivwechseln machen daraus einen Film, den man problemlos gleich nochmal anschauen kann. Zu Recht hat sich Carrino damit bei den GoPro Awards beworben – wir drücken die Daumen.