Somewhere Small

»I really get into imagining how little people would use these structures. After the bones of the building are constructed, I start filling it in with little signs of life, adding silk and woolen rugs, handmade clay pots, mounted crystals and chips of semi-precious raw stones like Tiger’s eye, quartz and amethyst, tiny artworks, potted plants, flags and pennants, and an assortment of handmade furniture.« – Jedediah Corwyn Voltz

Jedediah Corwyn Voltz lebt in Los Angeles und ist Requisitenhersteller für Film und Fernsehen. Außerdem arbeitet er immer an verschiedenen Kunstprojekten, wir stellen hier die bezaubernde Serie »Somewhere Small« vor: kleine Baumhäuser, hineinkonstruiert, gebaut und eingerichtet in normale Zimmerpflanzen, wie z. B. Bonsai, Kakteen und Sukkulenten.

Jedediah Voltz sagt über dieses Projekt, dass er eines Tages angefangen habe, aus den Restmaterialien vom Requisitenbau kleine, fantastische Konstruktionen zu bauen, was dazu führte, dass er immer ausgeklügeltere, vollendetere Gebäude baute, bis er anfing, Baumhäuser in Zimmerpflanzen zu errichten.

Ohne die Miniaturen vorher zu planen, beginnt Voltz meist mit dem Bau einer Basis und konstruiert darauf das Haus, wobei er sich am Wuchs der Pflanze orientiert und intuitiv arbeitet. Steht erstmal die Grundstruktur, beginnt Voltz, das Haus mit Leben zu füllen, gerade so, als ob tatsächlich kleine Leute es bewohnen und benutzen würden: Teppiche, Tongefäße, Bilder an den Wänden, Pflanzen, Fahnen, Edelsteine, handgemachte Möbel u. v. m.

Auch ein Paar Skier vor dem Einstieg zum Baumhaus oder ein kleiner Holzofen mit Brennholz finden sich. In seinem Haus gibt es keine Pflanzen mehr, die nicht architektionisch erweitert und geschmückt wurden. Jede einzelne davon möchte man bewohnen oder doch zumindest erkunden – in einer Miniaturausgabe seiner selbst, versteht sich.

Ökosystem Lampe

»We think that plants are playing an increasingly significant role in our urban environment. The conditions for growing have always been the intensive care and plenty of natural light.« – Nui Studio, Design Studio

Pflanzen in dunklen Zimmerecken oder im Winter mit Tageslichtlampen zu dem Lichtspektrum und der Lichtmenge zu verhelfen, die sie brauchen, ist keine neue Idee. Aber Emilia Lucht und Arne Sebrantke vom Design Studio »Nur Studio« wollten mehr: Eine Lampe, die eine Grünpflanze in sich selbst beherbergt und ohne Sonnenlicht und Wasser von außen gedeihen lässt.

So entstand die Mygdal Plant Lamp: Ein (fast) geschlossenes Ökosystem, in dem ein LED-Licht Photosynthese möglich macht und die Pflanze angeblich über Jahre ohne weitere Pflege wachsen kann. Zielgruppe wären vielleicht Hotels oder Restaurants, die in vielen Ecken nicht die richtige Umgebung für Grünpflanzen bieten können. Vielleicht aber auch einfach Menschen, die gutes Design und innovative Erfindungen mögen, denn dass hier Designer und nicht Techniker am Werk waren, sieht man. Es gibt die Mygdal Plant Lamp als Hänge- und Stehlampe, die Stehlampe besitzt die zusätzliche Besonderheit, dass das Glas leitfähig ist und so Elektrizität an die LED weitergibt, ohne dass eine sichtbare Kabelverbindung nötig wäre.

Das Ergebnis ist Produktdesign vom Feinsten, die Fotos der Pflanzen respektive Leuchten in dunklen Sichtbetonecken sind ästhetisch gelungen – nur wenn man als Gärtner darauf schaut, beschleicht einen ein leicht klaustrophisches Gefühl. Ob dass jetzt wieder Projektion ist oder ob es den Pflanzen genauso geht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen!

Gemüse aus Lettland

»We create so many different things! One day we have decided to share our creations with the world - that's when the MapleApple shop was born. The feeling when you send your handmade item to the customer overseas is awesome! We hope that our customers enjoy our items!« – Anastasija, Inhaberin MapleApple

Jelena und Anastasija sind Mutter und Tochter, leben in Riga, Lettland und können sich gar nicht mehr erinnern, wie alles anfing. Heutzutage jedenfalls haben sie das Haus voller Perlen, Garn, Farbe und vielem mehr. In kreativer Handarbeit stellen Sie ein breites Spektrum an Dingen her, auch Spezialanfertigungen, die sie in ihrem Etsy-Shop „MapleApple“ vertreiben.

Uns hat es natürlich vor allem das Play Food angetan, das die zwei begeisterten und sympathischen Frauen auch als Waldorf- oder Montessori-Spielzeug verkaufen. Das handgestrickte Gemüse ist ganz liebevoll und naturnah gestaltet, die Karotten laufen in einen Wurzelfaden aus, das Laub der roten Bete hat gelbe Flecken, die Kartoffeln zeigen schon Keimstellen, die Zitrone ist an einem Ende ein bisschen knubbelig, die Petersilienwurzel hat drei Spitzen.

Wie im echten Leben eben! Und umso schöner, grade weil das gestrickte Material natürlich nur sehr begrenzt eine lebensechte Gemüseoberfläche darstellen kann. Diese Mischung ist toll und jedes einzelne Produkt ist Kinderspielzeug und kleines Kunstwerk gleichzeitig. Ausschließlich 5-Sterne-Bewertungen wundern uns überhaupt nicht.

Baum

»By creating a partial, temporary outdoor studio for each tree, Lee’s ‘portraits’ of trees play with ideas of scale and perception while referencing traditional painting and the history of photography.« – Yossi Milo Gallery

Myoung Ho Lee fotografiert Bäume. Genauer gesagt, einzelne Bäume, die er zusätzlich vereinzelt, indem er sie vor einen einfachen, rechteckigen Hintergrund stellt. Porträtfotografie für Bäume sozusagen, nur nicht im Studio, sondern da, wo der Baum wächst. Das sind ganz verschiedene Landschaften, in die Lee den professionellen Background des Berufsfotografen stellt, die weiße Leinwand. Im Hintergrund wiederum bleibt die Landschaft, die einen Baum weniger zu haben scheint, ein viereckiges Loch klafft in ihr.

So einfach die Idee scheint, so komplex wirken die entstandenen Bilder:
Die Landschaft hat ein Loch, gleichzeitig wird ein Teil von ihr versteckt. Der porträtierte Baum wird aus seiner Umgebung herausgelöst und mit Leinwand neu hineingestellt, getrennt von ihr und wiedervereint. Natürlich gewachsen und zum Gemälde geworden. Er wirkt größer als er ist, die Perspektive wackelt, Der Horizont wird des Fluchtpunkts beraubt, Lee setzt ihn neu.

Myoung Ho Lee, geboren 1975 in Südkorea, lebt und arbeitet zur Zeit in Seoul. Er hat zahlreiche Preise gewonnen. Die Serie »Tree« fotografierte er mit einer Großformatkamera. Die großen Leinwände installierte er mit Hilfe von Kränen und mit einem Team von Mitarbeitern. Teilweise im Bild sichtbare Seile oder Streben des Leinwandaufbaus wurden nachträglich wegretuschiert.

Kickstarter für schwebende Bonsais

»Air Bonsai is a floating star. How would you like to plant your country's very own bonsai and make a wish on that "little star"?« – Hoshinchu auf Kickstarter

Wieder mal ein Kickstarter-Projekt, das schon lange vorm Finanzierungstermin weit übers Ziel hinaus geschossen ist: Das japanische Atelier Hoshinchu von der Insel Kyushu begeistert (nicht nur) seine Unterstützer mit dem »Air Bonsai«, ein Bonsai-Baum, der über einer Basis schwebt und rotiert.

Das Do-it-yourself-Kit besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten:
Die »Energy Base« besteht aus Porzellan und hat eine verspiegelte Oberfläche. Sie enthält einen strombetriebenden Magneten und einen Drehmechanismus.
Das »Little Star« genannte Medium, in das die Bonsai-Pflanze gesetzt wird, ist ein moosbedeckter Schaumstoffball. In ein vorgebohrtes Loch wird Erde gefüllt und eine kleine Auswahl regionaler, selbstgesammelter Zweige und Triebe gepflanzt. Die Erde wird solange im Loch verteilt und festgedrückt und die Triebe werden solange vorsichtig beschnitten, bis der Little Star aufrecht über seiner Basis rotiert.

Beide Komponenten gibt es in verschiedenen Ausführungen, die Energy Base von serienproduziert bis aufwändigst handgearbeitet, den Little Star gibt es auch als ausgehöhlten Lavastein, in den gepflanzt wird. Obwohl der Air Bonsai als Bausatz zum Selbst-Bepflanzen mit regionalen Pflanzen gedacht ist, kann man auch gleich einen Bonsai-Baum dazukaufen, je älter gewachsen, desto luxuriöser im Preis.

Alle Ausführungen des Air Bonsai wirken sehr ruhig und zart und harmonieren stimmig mit der meditativen Ästhetik von Bonsai-Bäumen. Fast nie zu sehen ist auf den Bildern allerdings das Stromkabel, das natürlich ein Wermutstropfen ist und die Little Stars ein bisschen wieder auf den Erdboden zurückholt.

Blumen im Weltall

»You know, I think if we’re going to Mars, and we were growing stuff, we would be responsible for deciding when the stuff needed water. Kind of like in my backyard, I look at it and say ‘Oh, maybe I should water the grass today.’ I think this is how this should be handled..« – Scott Kelly, Astronaut

Die gerade auf der Raumstation ISS erblühten Zinnien sind zwar die ersten Weltraum-Blumen, aber natürlich nicht die ersten Pflanzen im All: Schon Anfang der 80er Jahre experimentierte die Sowjetunion erstmals mit der Aufzucht von Pflanzen auf Raumstationen. Auch das Veggie-Programm der Nasa erforscht, wie Pflanzen in Mikroschwerkraft gedeihen, nicht zuletzt, weil selbst angebautes Gemüse die Verpflegung auf Langzeitmissionen mit frischen Lebensmitteln bereichern würde. 

Die Pflanzen entwickeln sich unter rotem, blauem und grünem LED-Licht. Optimale Luftzirkulation in der Gewächskammer gewährleistet, dass die Pflanzen nicht an ihren eigenen Emissionen ersticken. Das Veggie-Bewässerungssystem transportiert das benötigte Wasser über Dochte zu den Wurzeln, sodass diese auch in der Schwerelosigkeit immer gleichmäßig viel Wasser und Sauerstoff bekommen.

Am 16. November 2015 wurde das Veggie-System mit den Zinniensamen bestückt und aktiviert. Anhand ihres Gedeihens sollten neue Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie Pflanzen in annähernder Schwerelosigkeit wachsen.

Ende Dezember bemerkte Astronaut Scott Kelly, dass die Pflanzen nicht gut aussahen, trotz streng beachteter Pflegepläne des Veggie-Systems. Erst als Scott, ganz Gärtner, nach Gefühl bewässerte, erholten sich die Zinnien. Am 12. Januar blühten die ersten Knospen auf.

Zinnien sind als gute Nektarspender bekannt und sehr attraktiv für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge – wie diese sich wohl in der Schwerelosigkeit verhalten würden?