Growth

Der Blumentopf der mit der Pflanze wächst

»The life cycle of a plant is a transformation, from an early seed to its full grown size; the blooming of a flower, the unfolding of a leaf, the branching of the roots. This process is what GROWTH aims to capture within a plant pot.« — Studio Ayaskan

Das britische Studio Ayaskan hat einen Blumentopf entwickelt, der mit der eingetopften Pflanze wächst. GROWTH soll dem herkömmlichen Produktzyklus von produzieren → nutzen → wegwerfen einen nachhaltigeren Ansatz entgegensetzen und so ein natürlicheres Produkt schaffen.

Um das Ziel zu erreichen bedient sich das Studio bei der traditionellen »Origami«-Falttechnik wodurch ein ungewohnten, geometrischen Look entsteht, der sich mit zunehmender Größe außerdem verändert. Ganz nebenbei erspart der Topf dem Gärtner dadurch das stetige Umtopfen der wachsenden Pflanze.

Bisher wird GROWTH noch nicht produziert, bei Interesse kann man sich aber in eine Mailingliste eintragen.

Auf dem grünen Teppich

»Certes il est vert mais cela m'amusait le clin d'œil à la fois de la symbolique et des couleurs complémentaires.« — Gaëlle Villedary

Das kleine französische Dorf Jaujac feierte 2012 das 10-jährige Jubiläum seines Kunst- und Naturlehrpfades. Aus diesem Anlass hat die Künstlerin Gaëlle Villedary einen Grasteppich angelegt, der durch den ganzen Ort führt.

»Tapis rouge!«, »Roter Teppich!« heißt das interaktive, 420 Meter lange und 3,5 Tonnen schwere Kunstwerk. Der grüne Teppich, der sich durch schmale Gasse, über Plätze und Treppen windet, verbindet das Herz des Dörfchens mit der Natur des umgebenden Tals. Und die Kunst verbindet Mensch und Natur.

Lasst Blumen sprechen

Gärtnern 2.0 mit Koubachi

»Put Beni to a cooler place!« — Koubachi App

Auch ohne grünen Daumen und Post-its soll die Pflanzenpflege in Haus und Garten jedem gelingen: mit der kostenlosen Koubachi-App (nach dem gleichnamigen Unternehmen), die via Pushnachricht oder Mail Bescheid sagt, wann welche vom Benutzer angelegte Pflanze Wasser, Dünger oder Sprühregen braucht.

Individuellere Pflege, die sich etwas mehr nach den tatsächlichen als nach den theoretischen Bedürnissen der Pflanzen richtet, wird allerdings erst möglich, wenn der Koubachi Wi-Fi Plant Sensor eingesetzt wird. Der misst die Feuchtigkeit in der Erde, den Lichteinfall und die Temperatur, sendet die ermittelten Daten an die Koubachi Plant Care Engine, die dann Pflegehinweise ausspuckt.

Ob das was taugt? Es könnte gut sein. Die Pflanzendatenbank im Hintergrund ist umfangreich und beschränkt sich nicht auf Ficus und Co. Kleine Witzigkeiten wie individuelle Namen und Fotoupload für die einzelnen Pflanzen, ein Pflanzenfinder, wenn man nicht weiß, wie die Pflanze heißt, verschiedene Topfformen und -farben machen Spaß und überhaupt erinnert das Ganze ein bisschen ans Tamagotchi.

Allerdings kostet so ein Plant Sensor in der Indoor- oder Outdoorversion schlappe 90 Euro aufwärts und ermittelt den Bedarf von exakt einer Pflanze, im besten Falle einer Pflanzengruppe mit den gleichen Pflegebedürfnissen am gleichen Fleck. Das ist schlecht und die Failmeldungen in den Amazonkommentaren legen nahe, doch lieber genauer hinzugucken. Auf die Pflanzen.

Bloom

Ein letztes Aufblühen

»As a visiting artist I had observed an astonishing absence of flowers in psychiatric settings. Here, patients receive few, if any, flowers during their stay. Bloom was created to address this absence, in the spirit of offering and transition.« — Anna Schuleit

»Bloom« ist schon eine Weile her, aber wir fanden die Bilder so beeindruckend, dass wir trotzdem noch darüber berichten wollen.

Als 2003 das Gebäude des psychiatrischen Krankenhaus Massachusetts Mental Health Center in Boston abgerissen werden sollte, wurde die Künstlerin Anna Schuleit beauftragt, der über 90-jährigen Geschichte der Einrichtung ein Denkmal zu setzen.

In ihrem beeindruckenden Projekt "Bloom" wurden die Flure und Räume des Gebäudes mit 28000 blühenden Topfpflanzen in ein Meer von Blumen verwandelt und waren dann für vier Tage für die Öffentlichkeit zugänglich – eine einfache, wenn auch logistisch sehr aufwändige Idee, die das Gebäude im wahrsten Sinn des Wortes vor dem Abriss nochmal mit Leben gefüllt hat.

Neben der schlichten Schönheit der Installation bringt die einfache, aber starke Symbolsprache von Blumen alle Gefühle und Assoziationen zum Ausdruck, die mit der Geschichte des Gebäudes, seiner Patienten, Angestellten und Besucher verbunden waren und sind.

Wachstum in Zeitraffer

»I observe the vegetation and the nature everywhere where I am. I cultivate vegetables in my garden, go often out to walk in the nature and go rambling. The plants in my „Macro Timelapse“-Video I have found in my courtyard and on my cycleway from my home to my office.« — Daniel Csobot

Der Kameramann, Timelapser, Filmemacher und Cutter Daniel Csobot hat vor einiger Zeit eine zweiminütige Zeitrafferaufnahme von keimenden, knospenden, wachsenden und aufblühenden Pflanzen auf Vimeo veröffentlicht.

Der zeit- und arbeitsintensive Film ist seltsam und wunderschön anzusehen, alles ist in Bewegung und wuselt und schiebt und entfaltet sich. Zwar hat jeder schon erlebt, wie sich die Natur oder ein Garten über Nacht wandeln kann, aber hier zuzuschauen erinnert streckenweise an embryonale Entwicklung – oder die Geburt eines Aliens, wie man will.

Beeindruckene Aufnahmen! Einziger kleiner Wermutstropfen: die unterlegte Musik plätschert allzu glatt und sphärisch dahin. Stört aber nicht sehr.

Outside-In Garden

»What we see, we believe, but it is what we don’t see that holds the truth of what is because then it remains undistorted by our interpretation.« — Meir Lobaton Corona, Ulli Heckmann

Der »Outside-In Garden« der Architekten Meir Lobaton Corona und Ulli Heckmann wurde als visuelles Paradoxon für das 22. Internationale Garten Festival in Chaumont sur Loire in Frankreich konzipiert.

Das fast schon philosophisch anmutende Projekt spielt mit der Imagination der Betrachter: Während man sich nähert, sieht man nur einen minimalistisch gestalteten, durchscheinenden, weißen Quader, der über Waldboden zu schweben scheint. Mitten im rötlichen Schotter der Wege, leer, so meint man, bis auf ein paar Bäume, deren sich bewegende Schatten durchscheinen.

Erst wenn man hineinschaut, entweder von unten darunter oder durch eins der Schaulöcher, die in verschieder Höhe auf allen Seiten eingearbeitet sind, ändert sich das Bild plötzlich. Das kleine Stück Natur, dass zunächst hinter der Verkleidung verschwunden war, dehnt sich nun in die Ferne aus und man schaut in einen nicht enden wollenden Wald.

Dieser Effekt entsteht durch die mit Einwegspiegeln verkleideten Innenseiten, die die Bäume in alle Richtungen unendlich spiegeln. Was ist nun real? Gar kein Wald, sondern ein weißer Quader? Ein 5 x 8 m kleines Waldstück, dass ich hinter der Verkleidung vermuten kann? Oder ein sich in alle Richtungen ausdehnender riesiger Wald?