Bloom

Ein letztes Aufblühen

»As a visiting artist I had observed an astonishing absence of flowers in psychiatric settings. Here, patients receive few, if any, flowers during their stay. Bloom was created to address this absence, in the spirit of offering and transition.« — Anna Schuleit

»Bloom« ist schon eine Weile her, aber wir fanden die Bilder so beeindruckend, dass wir trotzdem noch darüber berichten wollen.

Als 2003 das Gebäude des psychiatrischen Krankenhaus Massachusetts Mental Health Center in Boston abgerissen werden sollte, wurde die Künstlerin Anna Schuleit beauftragt, der über 90-jährigen Geschichte der Einrichtung ein Denkmal zu setzen.

In ihrem beeindruckenden Projekt "Bloom" wurden die Flure und Räume des Gebäudes mit 28000 blühenden Topfpflanzen in ein Meer von Blumen verwandelt und waren dann für vier Tage für die Öffentlichkeit zugänglich – eine einfache, wenn auch logistisch sehr aufwändige Idee, die das Gebäude im wahrsten Sinn des Wortes vor dem Abriss nochmal mit Leben gefüllt hat.

Neben der schlichten Schönheit der Installation bringt die einfache, aber starke Symbolsprache von Blumen alle Gefühle und Assoziationen zum Ausdruck, die mit der Geschichte des Gebäudes, seiner Patienten, Angestellten und Besucher verbunden waren und sind.

Wachstum in Zeitraffer

»I observe the vegetation and the nature everywhere where I am. I cultivate vegetables in my garden, go often out to walk in the nature and go rambling. The plants in my „Macro Timelapse“-Video I have found in my courtyard and on my cycleway from my home to my office.« — Daniel Csobot

Der Kameramann, Timelapser, Filmemacher und Cutter Daniel Csobot hat vor einiger Zeit eine zweiminütige Zeitrafferaufnahme von keimenden, knospenden, wachsenden und aufblühenden Pflanzen auf Vimeo veröffentlicht.

Der zeit- und arbeitsintensive Film ist seltsam und wunderschön anzusehen, alles ist in Bewegung und wuselt und schiebt und entfaltet sich. Zwar hat jeder schon erlebt, wie sich die Natur oder ein Garten über Nacht wandeln kann, aber hier zuzuschauen erinnert streckenweise an embryonale Entwicklung – oder die Geburt eines Aliens, wie man will.

Beeindruckene Aufnahmen! Einziger kleiner Wermutstropfen: die unterlegte Musik plätschert allzu glatt und sphärisch dahin. Stört aber nicht sehr.

Outside-In Garden

»What we see, we believe, but it is what we don’t see that holds the truth of what is because then it remains undistorted by our interpretation.« — Meir Lobaton Corona, Ulli Heckmann, Julia Pankofer

Der »Outside-In Garden« der Architekten Meir Lobaton Corona und Ulli Heckmann und der Landschaftsarchitektin Julia Pankofer wurde als visuelles Paradoxon für das 22. Internationale Garten Festival in Chaumont sur Loire in Frankreich konzipiert.

Das fast schon philosophische Architektur-Landschaftsarchitektur-Projekt spielt mit der Imagination der Betrachter: Während man sich nähert, sieht man nur den von Lobaton Corona und Heckmann minimalistisch gestalteten, durchscheinenden, weißen Quader, der über Waldboden zu schweben scheint. Mitten im rötlichen Schotter der Wege, leer, so meint man, bis auf ein paar Bäume, deren sich bewegende Schatten durchscheinen.

Erst wenn man hineinschaut, entweder von unten darunter oder durch eins der Schaulöcher, die in verschieder Höhe auf allen Seiten eingearbeitet sind, ändert sich das Bild plötzlich. Das kleine Stück Natur, dass zunächst hinter der Verkleidung verschwunden war, dehnt sich nun in die Ferne aus und man schaut in einen nicht enden wollenden Wald (entworfen von Julia Pankofer).

Dieser Effekt entsteht durch die mit Einwegspiegeln verkleideten Innenseiten, die die Bäume in alle Richtungen unendlich spiegeln. Was ist nun real? Gar kein Wald, sondern ein weißer Quader? Ein 5 x 8 m kleines Waldstück, dass ich hinter der Verkleidung vermuten kann? Oder ein sich in alle Richtungen ausdehnender riesiger Wald?