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Urban Hives

Urban Hives – Urbane Bienenstöcke – nennt Nathalie Harb ihre Installationen, mit denen sie die Tradition der städtischen Kleingärten in Beirut wieder zum Leben erwecken will – und zwar da, wo noch Platz ist: auf Parkplätzen.

Die in Leichtbauweise konstruierten, modular aufgebauten Gärten können ein einzelnes Auto oder einen ganzen Parkplatz abdecken. Eine Ebene über dem Asphalt und den Fahrzeugen entstehen so luftige Gärten, die Raum für den Anbau von Blumen, Früchten und Gemüse und für Bienenstöcke bieten.

Nathalie Harb ist eine interdisziplinäre Szenografin, die sich vor allem mit der Geschichte des öffentlichen und privaten Raumes beschäftigt. Ihre Projekte wurden in Städten im Nahen Osten, in Asien und Europa gezeigt. Sie lebt und arbeitet in London und Beirut.

Große Grünflächen sind in Beirut selten geworden, auch kleine Gärten verschwinden durch den Bau immer neuer großer Immobilienprojekte, die ein älteres städtebauliches Gefüge verdrängen, das durch kleine Gärten und Gartenhäuser geprägt war.

Somewhere Small

»I really get into imagining how little people would use these structures. After the bones of the building are constructed, I start filling it in with little signs of life, adding silk and woolen rugs, handmade clay pots, mounted crystals and chips of semi-precious raw stones like Tiger’s eye, quartz and amethyst, tiny artworks, potted plants, flags and pennants, and an assortment of handmade furniture.« – Jedediah Corwyn Voltz

Jedediah Corwyn Voltz lebt in Los Angeles und ist Requisitenhersteller für Film und Fernsehen. Außerdem arbeitet er immer an verschiedenen Kunstprojekten, wir stellen hier die bezaubernde Serie »Somewhere Small« vor: kleine Baumhäuser, hineinkonstruiert, gebaut und eingerichtet in normale Zimmerpflanzen, wie z. B. Bonsai, Kakteen und Sukkulenten.

Jedediah Voltz sagt über dieses Projekt, dass er eines Tages angefangen habe, aus den Restmaterialien vom Requisitenbau kleine, fantastische Konstruktionen zu bauen, was dazu führte, dass er immer ausgeklügeltere, vollendetere Gebäude baute, bis er anfing, Baumhäuser in Zimmerpflanzen zu errichten.

Ohne die Miniaturen vorher zu planen, beginnt Voltz meist mit dem Bau einer Basis und konstruiert darauf das Haus, wobei er sich am Wuchs der Pflanze orientiert und intuitiv arbeitet. Steht erstmal die Grundstruktur, beginnt Voltz, das Haus mit Leben zu füllen, gerade so, als ob tatsächlich kleine Leute es bewohnen und benutzen würden: Teppiche, Tongefäße, Bilder an den Wänden, Pflanzen, Fahnen, Edelsteine, handgemachte Möbel u. v. m.

Auch ein Paar Skier vor dem Einstieg zum Baumhaus oder ein kleiner Holzofen mit Brennholz finden sich. In seinem Haus gibt es keine Pflanzen mehr, die nicht architektionisch erweitert und geschmückt wurden. Jede einzelne davon möchte man bewohnen oder doch zumindest erkunden – in einer Miniaturausgabe seiner selbst, versteht sich.

Ökosystem Lampe

»We think that plants are playing an increasingly significant role in our urban environment. The conditions for growing have always been the intensive care and plenty of natural light.« – Nui Studio, Design Studio

Pflanzen in dunklen Zimmerecken oder im Winter mit Tageslichtlampen zu dem Lichtspektrum und der Lichtmenge zu verhelfen, die sie brauchen, ist keine neue Idee. Aber Emilia Lucht und Arne Sebrantke vom Design Studio »Nur Studio« wollten mehr: Eine Lampe, die eine Grünpflanze in sich selbst beherbergt und ohne Sonnenlicht und Wasser von außen gedeihen lässt.

So entstand die Mygdal Plant Lamp: Ein (fast) geschlossenes Ökosystem, in dem ein LED-Licht Photosynthese möglich macht und die Pflanze angeblich über Jahre ohne weitere Pflege wachsen kann. Zielgruppe wären vielleicht Hotels oder Restaurants, die in vielen Ecken nicht die richtige Umgebung für Grünpflanzen bieten können. Vielleicht aber auch einfach Menschen, die gutes Design und innovative Erfindungen mögen, denn dass hier Designer und nicht Techniker am Werk waren, sieht man. Es gibt die Mygdal Plant Lamp als Hänge- und Stehlampe, die Stehlampe besitzt die zusätzliche Besonderheit, dass das Glas leitfähig ist und so Elektrizität an die LED weitergibt, ohne dass eine sichtbare Kabelverbindung nötig wäre.

Das Ergebnis ist Produktdesign vom Feinsten, die Fotos der Pflanzen respektive Leuchten in dunklen Sichtbetonecken sind ästhetisch gelungen – nur wenn man als Gärtner darauf schaut, beschleicht einen ein leicht klaustrophisches Gefühl. Ob dass jetzt wieder Projektion ist oder ob es den Pflanzen genauso geht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen!

Baum

»By creating a partial, temporary outdoor studio for each tree, Lee’s ‘portraits’ of trees play with ideas of scale and perception while referencing traditional painting and the history of photography.« – Yossi Milo Gallery

Myoung Ho Lee fotografiert Bäume. Genauer gesagt, einzelne Bäume, die er zusätzlich vereinzelt, indem er sie vor einen einfachen, rechteckigen Hintergrund stellt. Porträtfotografie für Bäume sozusagen, nur nicht im Studio, sondern da, wo der Baum wächst. Das sind ganz verschiedene Landschaften, in die Lee den professionellen Background des Berufsfotografen stellt, die weiße Leinwand. Im Hintergrund wiederum bleibt die Landschaft, die einen Baum weniger zu haben scheint, ein viereckiges Loch klafft in ihr.

So einfach die Idee scheint, so komplex wirken die entstandenen Bilder:
Die Landschaft hat ein Loch, gleichzeitig wird ein Teil von ihr versteckt. Der porträtierte Baum wird aus seiner Umgebung herausgelöst und mit Leinwand neu hineingestellt, getrennt von ihr und wiedervereint. Natürlich gewachsen und zum Gemälde geworden. Er wirkt größer als er ist, die Perspektive wackelt, Der Horizont wird des Fluchtpunkts beraubt, Lee setzt ihn neu.

Myoung Ho Lee, geboren 1975 in Südkorea, lebt und arbeitet zur Zeit in Seoul. Er hat zahlreiche Preise gewonnen. Die Serie »Tree« fotografierte er mit einer Großformatkamera. Die großen Leinwände installierte er mit Hilfe von Kränen und mit einem Team von Mitarbeitern. Teilweise im Bild sichtbare Seile oder Streben des Leinwandaufbaus wurden nachträglich wegretuschiert.

Flower House Detroit

»What could be a better day than all my florist friends, new and old, to fill a beautifully patinaed old house with 4,000 stems of flowers and foliage? We slept very little, ate lots of pizza, and made some remarkable floral displays.« – Lisa Waud

Im November 2014 ersteigerte die Floristin Lisa Waud für 250 Dollar ein heruntergekommenes, lange verlassenes Haus in Detroit, um dort einen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Sie lud Floristen aus der Umgebung (Michigan, Ohio, New York, Canada) ein, das Haus mit ihr in eine vorübergehende Kunstinstallation zu verwandeln.

Nach einem Jahr Planungsarbeiten und drei Tagen der Umsetzung (und vermutlich Nächten) wurde das verfallene und verwahrloste Haus mit über 36.000 in den USA gewachsenen Blumen und Pflanzen in ein floristisches Gesamtkunstwerk verwandelt.

Das Flower House ist nicht nur Kunstprojekt, sondern würdigt gleichzeitig die Nachhaltigkeit und Verantwortung von Gärtnereien, die ihre Schnittblumen und Pflanzen nicht importieren, sondern selbst anbauen. Die verarbeiteten Blumen im Wert von ca. 150.000 Dollar wurden dem Projekt von den Gärtnereien gespendet.

Nachdem das Flower House im November 2015 ein Wochenende lang besichtigt werden konnte, wird es nun abgerissen und das Gelände von Lisa Waud saisonal zum Anbau von Dahlien und Pfingstrosen für ihr Geschäft benutzt.

GoPro Awards: Gardening with Grandpa

»Andrew spends the day with his 83 year old grandfather as he tends to his vegetable garden in the south of Italy.« – Beschreibung des Film für die GoPro Awards

GoPro mal anders, aber richtig gut: Andrew Carrino hat seinen 83-jährigen Großvater bei der Gartenarbeit gefilmt. Obwohl die Musik im Hintergrund ziemlich bouncy daherkommt, geht es dabei doch eher gemächlich zu, trotz Motorhacke. Es ist ein sonniger Tag und es wird gepflanzt, gegossen, geerntet und zwischendurch kommt die Großmutter mit einem Obstteller durch den Fliegenvorhang in den Garten.

Die aus der Zeit gefallene Entspanntheit kombiniert mit sehr schönen Perspektivwechseln machen daraus einen Film, den man problemlos gleich nochmal anschauen kann. Zu Recht hat sich Carrino damit bei den GoPro Awards beworben – wir drücken die Daumen.